Der depressive Schriftsteller Andrew Solomon ("Saturns Schatten. Die dunklen Welten der Depression", Fischer 2001) schreibt über seine Suche nach einem Therapeuten:
"So testete ich im Laufe von 6 Wochen 11 Kandidaten und betete bei jedem die Litanei meiner Beschwerden herunter, bis es mir vorkam wie ein Monolog aus einem fremden Stück. Einige der Geprüften erschienen mir klug, andere rückständig. Eine Frau hatte ihr ganzes Mobiliar mit Plastikfolie überzogen, damit die Hunde nicht daran kratzten. Ein Chaot nannte mir die falsche Adresse ("Oh, da hatte ich früher mal meine Praxis!"), und ein Humanist erklärte mir, ich hätte keine echten Probleme und solle die Dinge ein bißchen leichter nehmen. Eine sehr strenge Dame eröffnete mir, sie glaube nicht an Gefühle, während ein gutmütiger Herr an nichts anderes zu glauben schien. Ein freudianischer Kognitivist kaute während unseres gesamten Gesprächs an den Nägeln, ein Jungianer erwies sich als Autodidakt. Ein Enthusiast unterbrach mich laufend, um zu beteuern, ihm gehe es genau wie mir. Manche schienen mein Anliegen gar nicht zu verstehen. Ich hatte immer angenommen, dass meine wohlangepassten Bekannten gute Therapeuten haben müssten; stattdessen stellte ich fest, dass viele wohlangepasste Leute mit unkomplizierten Ehen um ihres, so vermute ich, inneren Gleichgewichts willen ausgefallene Beziehungen zu schrägen Ärzten pflegen."

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